Burgund

Bourgogne Franche-Comté

25.03.2005

Mit dem Zug reisen Enkidu, Jan und ich von Berlin aus ins Saarland.

26.03.2005

Von hier aus starten wir zusammen mit Enkidu’s Eltern in der Frühe per Auto.

Ortschaft
Burgund

Nach 5 Stunden Fahrt, zu fünft im Auto, sehen wir endlich ein Schild, welches uns nach Avallon führt. Zu Avallon erzähle ich euch später noch mehr.

Immer weiter tasten wir uns voran: St. Germain-du-Champs, ein kleines Dörfchen mit nix als einer klitzekleinen Kirche und dann ein Abzweig, der uns zu dem Ortsteil L’Etang bringt.

ländliche Gegend


Na der Schlüsselübergabe und einigen Formalitäten können wir unser „Gite“ erobern.
Solche Häuser haben oft etwas Seltsames an sich. Nicht direkt gruselig, aber es hat oft so viel zu erzählen.

Das mit den Gites finde ich eine tolle Sache. Damit nicht die ganzen Häuschen in der ländlichen Gegen zerfallen, aber leider immer mehr leerstehen, da es die Jugend in die Stadt zieht, gibt es ein Programm vom französischen Staat. Dieses sieht vor, den Hausbesitzern beim Instandsetzen zu einer Penson finanziell unter die Arme zu greifen. Es gibt bei den Gites, genau wie bei Hotels, unterschiedliche Güteklassen.

Unsere Pension ist ganz schön düster und überall hängen diese historischen Familienbilder herum.

Das Wasser kommt rostig und grünlich aus dem Wasserhahn.

Waschbecken


Zum Glück verfügt dieses Haus über einen soliden und geräumigen angebauten Wintergarten. Dieser wird gleich zu unserem allgemeinen Aufenthaltsraum erklärt.

Zimmer

Ich wollte noch so gerne zum Friedhof nach St. Germain-du-Champs, um ein paar Photos zu machen. Zu Fuß sind es ca. 20 min. von unserem Haus aus.
Schon auf dem Weg zum Friedhof sahen wir ein gigantisches Gewitter aufkommen und 3 Minuten, nachdem wir dort angelangt waren, fing es an, in Strömen zu gießen.

27.03.2005

Auf nach Vézelay! Voller Entdeckerlust, nach einem gemütlichen Osterfrühstück machen wir uns auf den Weg.

Die Kirche von Vézelay.

Lange bleiben wir nicht in Vézelay und fahren bald weiter nach Clamsey.

Und nun wollen wir noch in die Bücherstadt nach Charité-sur-Loire. Auf der einen Seite mag ich Bücher so liebend gerne; und die Vorstellung, von einem Antiquariat zum nächsten zu bummeln, stößt durchaus auf mein Interesse. Mein Manko jedoch ist, dass ich nicht der französischen Sprache mächtig bin. Na vielleicht gibt es ja was auf Englisch oder auch auf Deutsch.

Ortschaft
Charité-sur-Loire

Ich habe leider kein spannendes, für mich verständliches Buch finden können, aber es hat dennoch Spaß gemacht, zwischen den Büchern herum zu kramen.

28.03.2005

Nachdem wir gestern von einer Kirche zur nächsten sind und uns nur in Städten aufgehalten haben, ist heute mal Natur angesagt! Stadt habe ich schließlich auch zu Hause.
Heute wollen wir die Grotten Arcy-sur-Cure ansehen.
Da es aber noch fast zwei Stunden dauert, bis die nächste Führung beginnt, nutzen wir die Zeit für einen Spaziergang in der herrlichen Umgebung der Grotte.

Leider darf man in der Grotte keine Photos machen, da sie privat ist. Wunderschöne urzeitliche Felsenmalereien kann man hier finden.

Da es heftig zu regen begonnen hat, beschließen wir, in einem kleinen Café zu rasten und Kaffee und Kuchen zu uns zu nehmen.

Noyers-sur-Serein ist ein mittelalterliches Städtchen, welches auch als solches gepflegt und an die Touristen „verkauft“ wird. Hier wohnen viele Künstler. Bei einem Töpferehepaar erstehen wir zwei wunderschöne Müslischalen.

29.03.2005

Heute geht es in die Großstadt Auxerre. Jan hat seine Jacke im Saarland vergessen, und nachdem er schon gestern bibbernd im Regen herumlief, müssen wir wohl heute ’ne Jacke für ihn kaufen gehen….Wo hat der Junge nur sein Kopf?

Also was ich wirklich löblich finde in Frankreich, sind die öffentlichen kostenlos zu benutztenden Toiletten. Sie sind fast immer in einem sehr guten Zustand, obwohl man niemanden sieht, der sie putzt.

Es ist mal wieder an der Zeit, in eine Kirche zu gehen. Ich glaube, ich werde bald religiös….

Kircheninneres

Es ist zwar interessant, durch fremdartige Städte zu schlendern, aber trotzdem fühle ich mich hinterher vielmehr oder zumindest anders erschöpft, als wenn wir in der Natur waren. Morgen gibt es auf jeden Fall was Archäologisches! Nun regnet es erstmal wieder.

regennasse Scheibe

30.05.2005

Zunächst halten wir noch in Quarre-les-Tombes und gehen noch spazieren.

Wie versprochen geht es heute zu den alten Galliern. Bibracte hört sich wundervoll an.
Im Museum:

Wie lassen es uns nicht nehmen, und steigen die vier Kilometer bergan, um die gleiche Aussicht zu erhalten, wie sie damals die Kelten hatten.

Zwischendurch kommt man an den aktuellen Grabungsstätten vorbei.

Nun sind wir oben auf dem Mont Beuvray angelangt. Wow!

31.05.2005

Dryes-belle-fountains – ein interessanter kleiner Ort.

Wir wollen zu den Steinbrüche von Aubigny fahren, aber leider ist er noch geschlossen. Als der Führer kommt, sagt er uns, dass in einer Stunde eine Busgruppe zur Führung kommt, und er dann öffnet. Mit Hundeblick und schmeichlerischen Worten lässt er uns aber schon vor der Zeit hinein.

Viele Gebäude in Burgund wurden mit Steinen aus diesen Steinbrüchen gebaut. 2000 Jahren lang wurden hier Steine abgebaut.

Heute arbeiten hier Steinmetze und Bildhauer, deren Arbeiten man unter Tage bestaunen kann. Wirklich eine sehr bizarre Welt hier unten. An Schauplätzen wird erläutert, wie der Stein abgebaut wurde und bearbeitet wird und mit welchen Werkzeugen.

Doch nun geht es zu meiner Nummer Eins: Guédelon! Es liegt im Department Yonne.


Vorher noch kurz zur Erklärung: guédelon ist ein Bauplatz, der seit 1997 eine mittelalterliche Festung neu entstehen lässt und zwar zu den fast gleichen Bedingungen der damaligen Zeit. Das meint, dass nur Materialien und Techniken des Mittelalters verwendet werden. Selbst die Handwerker laufen in der Kleidung vergangener Zeiten umher.
Dieser Ort wird viel von franzöischen Schulgruppen frequentiert, da man hier sozusagen den Geschichtsunterricht gleich vor Ort machen kann. Ein richtig gelungenes wunderbares Projekt. Ich will gar nicht mehr von hier weggehen.

Es werden Techniken aus dem 13.Jh. verwendet. Das ist ganz schön mühselig.
25 Jahre sind für den Bau veranschlagt worden.

Es gibt noch den Seiler, der Seile in verschiedenen Qualitäten aus Hanf herstellt. Die Töpferin versorgt die Arbeiter der Baustelle mit Trink- und Essgefäßen. Natürlich braucht es auch Holzfäller, die die Eichenbäume fällen und grob zuschneiden. Die Zimmerleute stellen die Holzgerüste und Schalungen her, sowie sämtliche Werkzeuggriffe. Der Schmied ist der Hauptverantwortliche für die Herstellung und Instantsetzung der Werkzeuge. Er schmiedet auch die benötigten Nägel.

Also wer einmal in der Nähe ist, sollte sich diese Schau nicht entgehen lassen.

01.04.2005 – Wanderung nach Avallon

Heute ist Wandertag für Enkidu, Jan und mich. Die anderen zwei machen einen anderen Ausflug. Für uns geht es heute auf jeden Fall nach Avallon -> 12km zu Fuß.

Ortsausgang

Ich finde dieses Cherolet-Rinder sehen einfach klasse mit ihrem weißen Fell aus. Dennoch bin ich froh, hinter einem Zaun zu stehen.

weißer Rinder

Hm, wo geht es jetzt lang? An der Hauptstraße ist es nicht sehr einladen zu gehen. Ah, da hinten sehen wir schon einen Schleichweg!

Landstraße

Was man jetzt nicht sehen kann, will ich euch berichten: aus dem Feldschleichweg wurde alsbald ein Waldweg. Eine Wanderkarte hatten wir nicht und der Wald wurde immer dichter. Uns war ganz schön unheimlich zumute. Schließlich kamen wir an eine Kreuzung: links, geradeaus, rechts oder wieder zurück. Wir verspürten keine große Lust, uns noch mehr zu verlaufen oder uns im Kreis zu drehen. Wir wählten den Weg nach rechts. Aufgewühlter Schlamm hätte uns sowieso auf jedem Weg erwartet. Deutlich konnten wir die vielen Hufabdrücke der Wildschweine sehen. Mich überlief es abwechselnd kalt und heiß. Ich versuchte mich daran zu erinnern, was man tun muss, wenn man Wildschweinen über den Weg läuft. Als Kind sagte man mir, dass man ein Lied singen sollte. Aber ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt.
Enkidu schritt tapfer voraus, Jan relativ unbeteiligt in der Mitte und ich bildete die Nachhut.
Ungewohnte Geräusche erklangen links und rechts von uns aus dem Wald.

Es kam kein Wildschwein.

Ortseingang

Und unser Weg führte direkt zur Landstraße, die nach Avallon reinführt.

Avallon ist auf eine Berg gebaut und viele malerische kleine Pfade führen versteckt oder sichtbar nach oben in den Stadtkern.

Später trafen wir uns dann mit Günther und Denise in Avallon. Da die Stadt sehr überschaubar ist, haben wir sie schnell von oben bis unten durchforscht.

Morgen geht es zurück ins Saarland.

02.04.2005 – Chatillon-sur-Seine

Wegweiser

Auf der Rückfahrt halten wir noch in Chatillon-sur-Seine.

Aufstieg zu dem örtlichen Friedhof.

In dieser Stadt ist der große Bronzekelch aufbewahrt.
Ich drück‘ mich allerdings um den Museumsbesuch.

ausruhen auf alter Steinbank

Nun geht es zurück nach Deutschland.


Fotos und Text: Sulamith Sallmann
März/April 2005

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